150 Mittelständler im Industriemuseum – Hochkarätige Referenten

Vorstandsmitglied Thomas Diederichs verdeutlichte den Hintergrund dieser Veranstaltung: „Die Menschen in unserem Land und auch in der Region haben größtenteils die Übersicht über die mit Banken, Finanzen und Staaten verbundenen Krisen verloren. Damit einher geht der Verlust des Vertrauens in die Politik. Die politischen Eliten verschleppen durch fehlende Entscheidungsfreude und bedenkliche Wertstrukturen die Krise zusehends.“ Als Auslöser bezeichnete Diederichs die Gier nach immer mehr Rendite, Ertrag, Macht und gesellschaftlichem Ansehen. Dies sei Grund genug für die Volksbank Rhein-Ruhr gewesen, das Thema „Ökonomie und Ethik“ aufzugreifen. 

 

Mit dem Ratsvorsitzenden der EKD, Präses Dr. Nikolaus Schneider, dem Ex-Manager und Volkswirtschaftler Dr. Joachim Reuter und dem Moderator und Unternehmensberater Jens Nordlohne war das Podium hochkarätig besetzt. Die beiden Referenten des Abends nutzten die Gelegenheit, um in knapper, aber deutlicher Form ihre jeweilige Position zum Thema „Sind Ökonomie und Ethik (wieder) versöhnbar?“ zu erläutern. Schneider machte gleich zu Beginn unmissverständlich deutlich: „Christliche Werte sind nicht verstaubt, sondern brandaktuell. Sie dienen nicht dem Seelenheil, sondern der Zufriedenheit.“ In seinen Thesen machte Schneider seine Botschaft deutlich: „Es ist eine grundlegende Umkehr für unser Wirtschaften notwendig, eine Umkehr zu Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Unternehmen kann und darf es mittel- und langfristig nicht darum gehen, immer und unter allen Umständen jedes Geschäft mitzunehmen. Ein ethisch orientierter Unternehmer lehnt auch mal ein Geschäft ab!“ 

 

Der frühere Manager und Volkswirtschaftler Dr. Joachim Reuter stellte klar, dass „Manager und Funktionäre in einem Netz von Abhängigkeiten und Beziehungen verwoben sind und sich gegenseitig verstärken in der Verschärfung des Verfalls von Ethik und Moral“. Auch die von Unternehmen selbst auferlegten Richtlinien und Ethikrahmen funktionierten oft nicht. Dazu führte Reuter zahlreiche Beispiele an, um seine kritischen Thesen zu untermauern. Bei aller Unterschiedlichkeit der Standpunkte zeigte sich, dass es dennoch eine Gemeinsamkeit zwischen Schneider und Reuter gab. Reuter sagte: „Die werthaltigste Ethik besteht aus den Werten der Religion. Sie bilden das Fundament für eine funktionierende Wirtschaft!“ Reuter forderte die Wirtschaft deshalb zur Rückkehr zu Ehrlichkeit und Verantwortung für öffentlich kommunizierte Maßnahmen ebenso auf, wie die Rückkehr zu einer funktionierenden Gewaltenteilung mit Kontrollinstanzen und die Besinnung der Menschen auf ihre Individualethik. 

 

Zum Abschluss der Veranstaltung sorgten die vielen Fragen der mittelständischen Unternehmer der Region für eine ebenso lebhafte wie spannende Diskussion, die Moderator Jens Nordlohne mit zusätzlichen kritischen Fragen belebte. Trotz unterschiedlicher Standpunkte und Perspektiven waren sich die Protagonisten am Ende einig, dass es ohne Vertrauen und diesem Vertrauen entsprechende Werte in Wirtschaft und Gesellschaft nicht geht. 

Dies bestätigte abschließend auch Volksbank-Rhein-Ruhr-Vorstand Thomas Diederichs, in seinem Veranstaltungsfazit: „Ein Unternehmen kann nicht ohne Wertansprüche und Werthaltungen am Markt agieren. Gerade wir als Genossenschaftsbank bauen seit unserer Gründung und besonders in Zeiten wie diesen auf die von den Referenten genannten Werte. Und wir spüren deutlich, dass die Menschen in der Region, mittelständische Unternehmer wie Privatpersonen, dies in hohem Maße honorieren, weil sie gerade das Vertrauen als wichtigste Grundlage der Geschäftsbeziehung betrachten.“

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